Seit Jahren bemühen sich Wirtschaft und Politik, junge Frauen für
technische Berufe zu begeistern. Tragen diese Anstrengungen bereits
Früchte oder zählen Mädchen in Kfz-Berufen immer noch zu "Exoten"?
Top-Leistungen, wenig Interesse
"Wir werden heuer ein Mädchen als Kfz-Lehrling in unserem Betrieb
einstellen", sagt Ing. Gottfried Koch, Landesinnungsmeister der
Vorarlberger Kfz-Technik und Geschäftsführer Autohaus Koch/Feldkirch.
Insgesamt sei das Interesse seitens Mädchen und junger Frauen in den
vergangenen Jahren aber nicht wirklich gestiegen."Was im
vorpubertären Alter viele begeistert, ändert sich ab 15,16 Jahren
oft. Jeden Abend mit schwarzen Händen nach Hause zu kommen, stört
natürlich viele junge Frauen noch mehr als junge Männer."
Gleichzeitig lobt Koch den Fleiß weiblicher Lehrlinge: "Bei den
Landeslehrlingswettbewerben zeigen sich immer wieder das Geschick und
die Top-Leistungen, die von jungen Frauen erbracht werden."
Mehr Interesse für Verkauf
"Mädchen haben sich im Bereich der Kfz-Technik bis dato nur ganz
selten bei uns gemeldet", berichtet Sabine Hödl-Wenger,
Geschäftsleitung Auto Wenger/Kuchl und Salzburg. "Möglicherweise
schreckt viele auch die zuweilen anstrengende körperliche Tätigkeit
ab, auch das damit verbundene Hantieren mit Flüssigkeiten wie Ölen
oder Schmierfetten ist nicht jeder Frau Sache. Mechanikerhände
erkennt man oft, weil sich das Öl wirklich schwierig entfernen
lässt", so Wenger. Im Verkauf ortet Hödl-Wenger deutlich mehr
Interesse. "An unserem Standort in Salzburg ist bereits ein Mädchen
für uns tätig und es gibt auch mehr technisch interessierte junge
Frauen, die eine Karriere im Automobilverkauf anstreben."
Schlechte Rahmenbedingungen
"Wir haben auch immer wieder Frauen, die unsere Lehrgänge
absolvieren", so Mag. Diane Freiberger, MBA, Leiterin der Lehrgänge
Automobilverkauf, Automotive Management und Executive MBA Fokus
Automotive an der FH Kufstein. "Ich freue mich auch über jede Frau,
die ihre Ausbildung bei uns durchläuft, wobei uns mehr weibliche
Studenten natürlich nochlieber wären." Freiberger ist aber
überzeugt, dass Frauen im Verkauf sehr erfolgreich sein könnten. "Was
sie aber oft hemmt, ist, dass sie wissen, dass gerade der
Automobilverkauf kein Nine-to-Five-Job ist und die Rahmenbedingungen,
etwa für die Kinderbetreuung, nicht stimmen und sie sich deshalb oft
für andere Verkaufs-(teilzeit-)Jobs entscheiden.
Zu wenig beworben
"Unserer Erfahrung nach haben sich in den vergangenen Jahren nur sehr
wenige Mädchen für eine Ausbildung in der Kfz-Technik interessiert",
schildert Erich Saloschnik, Geschäftsführer Autohaus
Saloschnik/Wolfsberg. Mädchen würden sich am ehesten für klassische
Bürojobs interessieren. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich
zuweilen eher junge Frauen zwischen 19 und20 Jahren für eine
Lehrstelle bewerben, wobei wir versuchen, hauptsächlich gleichaltrige
Lehrlinge zu beschäftigen. Auch an den Schnuppertagen kommen
praktisch nie interessierte Mädchen." Letztendlich fehle auch der
Anreiz: "Die höheren Schulen werden aber deutlich mehr beworben als
Lehrberufe."
Interesse hält sich in Grenzen
"Das Interesse seitens junger Mädchen, einen Kfz-Technik-Beruf zu
erlernen, hält sich in Grenzen, allerdings auch im Autoverkauf", sagt
Gerhard Priewasser, Geschäftsführer Autohaus Priewasser/Ried im
Innkreis. "Wenn sich Mädchen dafür entschließen, sind sie aber oft
sehr gut, wie wir auch im eigenen Kfz-Betrieb feststellenkonnten.
Unsere Auszubildende hat sogar einen Landeslehrlingswettbewerb im
Bereich Kfz-Technik gewonnen." Andererseits habe Priewasser auch im
Bereich Karosserietechnik ein Mädchen ausgebildet, das zwar den
Lehrabschluss gemacht, sich aber später für einen anderen Beruf
entschieden hat. "SaubereFingernägel sind jungen Damen mit 20 Jahren
dann oft wichtiger als ein Techniker-Job."
Barriere bereits im Elternhaus
"Wir haben festgestellt, dass das Interesse bei Berufstagen, die wir
in diversen burgenländischen Bezirken veranstalten, auch seitens der
Mädchen sehr hoch ist, sich am Ende leider aber doch sehr wenige
anmelden", weiß Komm.-Rat Josef Wiener, Landesinnungsmeister der
burgenländischen Fahrzeugtechnik und Geschäftsführer Auto
Wiener/Eltendorf. "Letztendlich entscheiden sich im Burgenland nur 3
bis 4 Mädchen pro Jahr für eine Kfz-Techniker-Lehre." Leider gebe es
auch große Barrieren, die oft im Elternhaus zu finden seien: Wenn
Mädchen zu Hause den Wunsch äußerten, Mechaniker werden zu wollen,
werde ihnen dieser Berufswunsch oft von den Eltern ausgeredet und sie
von diesen in "klassische" Frauenberufe gedrängt.
Auflagen als Hemmschuh
"Wir sehen einen leichten Anstieg, was das Interesse bei Mädchen für
den Kfz-Techniker-Beruf betrifft. Ich würde sagen, es ist schleppend,
aber zunehmend", sagt Komm.-Rat Friedrich Nagl, Bundesinnungsmeister
der Kfz-Technik. "Wenn ein Mädchen diesen Weg geht, ist es meist so
motiviert, dass sie sich echt ins Zeug legt. Meist schaffen sie auch
ziemlichlocker die Meisterprüfung." Was Frauen nach wie vor
abschrecke, sei die teilweise nach wie vor schwere körperliche
Arbeit. Gleichzeitig gebe es auch für die Betriebe schwierige
Rahmenbedingungen , sagt Nagl. "Auflagen wie die Schaffung getrennter
Umkleideräume, eigener Toiletten und Duschräumeschrecken kleine
Betriebe ab."
Positive Erfahrungen
"Leider merken wir nicht, dass sich Frauen für Berufe in der
Autobranche -sei es im Verkauf oder auch in der Kfz-Technik - mehr
interessieren als in der Vergangenheit", berichtet Komm.-Rat Ing.
Klaus Edelsbrunner, Bundesgremialobmann des Fahrzeughandels und
Geschäftsführer Autohaus Edelsbrunner/Graz. "Wir haben in unserem
Betrieb sowohl Mädchen in der Kfz-Technik ausgebildet als auch Damen
im Verkauf als Mitarbeiterinnen eingestellt und sehr positive
Erfahrungen gemacht", so Edelsbrunner. Es gebe leider noch
Hemmschwellen gegenüber Berufen, die mit Technik verbunden seien, die
Frauen davor abschreckten, beispielsweise als Autoverkäuferin zu
arbeiten.
Oft fehlt der Zugang
"In unserer Ausbildungsstätte sind von derzeit 1.142 Kfz-Technikern
nur 40 weiblich", erklärt OSR Markus Fuchs, Direktor der Siegfried
Marcus Berufsschule für Fahrzeugtechnik in Wien-Floridsdorf. "Wobei
sich an diesem Anteil in den vergangenen Jahren nicht viel verändert
hat. Die Mädchen stammen fast immer aus größeren Betrieben, die
weibliche Lehrlinge schon seit Jahren aufnehmen." Fuchs betont, dass
rund 75 Prozent der Mädchen sehr gute Leistungen erbrächten. Der
Zugang zur handwerklichen Thematik hänge auch stark von der Erziehung
ab. Diese beginne oft schon im Kindergarten, wo der Zugang fehle.
Dies wirke sich weiter aus und damit auch der Bezug: "Ist dieser
vorhanden, entscheiden sich die Mädchen oft für diesen Beruf."